Lebenslanges Lernen als Modetrend

Lebenslanges Lernen – dieses Schlagwort geistert schon seit Jahrzehnten durch die (vor allem politischen) Landschaften. Der Frage, ob es sich dabei um ein zukunftsweisendes Konzept oder eine Modeerscheinung handelt, ging ein Vortrag im Rahmen der „Personal Austria“ nach. Von Stefan Thaler/APA.

„Lebenslanges Lernen wird in die Annalen der Managementbranche eingehen“, vermutet Günter Lueger von der PEF-Privatuniversität für Management. Er glaubt, dass versucht werde, die „Qualifizierung von der Wiege bis zur Bahre“ zum Modetrend zu machen. Alle Kriterien dafür, sieht Lueger erfüllt: „Zuerst wird ein Schlüsselfaktor, der bisher sträflich vernachlässigt wurde, in den Mittelpunkt gestellt. Dadurch wird Aufmerksamkeit erzeugt. Anschließend wird darauf hingewiesen, daß die Anwendung dieses Prinzips unausweichlich sei. In den 80er-Jahren hieß das zum Beispiel: „Wir müssen besser werden, damit uns die Japaner nicht überholen.“

Dann würden zentrale Werte der Leser angesprochen, nach dem Motto „Zelte statt Paläste“ oder „ein Unternehmen muß schlank sein“. Potenzielle Bestseller enthielten zudem eine ausgeglichene Mischung von Einfachheit und Mehrdeutigkeit: „Bei der Ansage ‚Qualität ist wichtig’ werden wohl alle, vom Betriebsrat bis zum Vorstand, nicken, aber etwas anderes darunter verstehen.“ Ein weiteres Kriterium sei, dass sich kein Manager schuldig fühlen muss, weil er nicht selbstdraufgekommen ist: Es habe sich eben alles gewandelt. „Lebenslanges Lernen ist eine Managementmode, was den Begriff, der vereinfacht und allgemein bleibt, betrifft. Verneinen muss man dies, wenn konkret hinter den Begriff geschaut und Rücksicht auf die Inhalte genommen wird“, relativiert Lueger. Wie die Europäische Kommission im Jahr 2000 festgestellt habe, sei lebenslanges Lernen nicht nur ein Aspekt von Bildung und Berufsbildung. Vielmehr müsse es zu einem Grundprinzip werden, an dem sich Angebot und Nachfrage in sämtlichen Lernkontexten ausrichten.

Als Schlüsselbotschaften zur Umsetzung sieht Lueger neue Basisqualifikationen für alle, wie IT- und Sprachkenntnisse oder Unternehmergeist, höhere Investitionen in die Humanressourcen, Innovation der Lehr- und Lernmethoden, die Bewertung des Lernens durch Zertifikate und Abschlüsse, ein Umdenken in der Berufsberatung und das Zusammenrücken von Lernenden und Lehrenden. „Zurzeit werden die social skills sträflich vernachlässigt, wovon vor allem lernen lernen, selbständiges Handeln und die Erzeugung von Neugierde betroffen sind“, kritisiert Lueger.

Und auch ein Schuldiger für die bisher mangelnde Umsetzung ist schnell gefunden: „Die Universitäten tragen viel dazu bei, dass den Studenten das lebenslange Lernen ausgetrieben wird. Die sagen sich: sicher nicht noch mal“, so Lueger.


WEBTIPP

Die Privatuniversität für Management ist im Netz unter http://www.privatuni-wien.at zu finden.


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