Bergsteiger sind muffige Chefs

Studie über Biographie und Führungsstil: Lob in der Kindheit macht freundlich

Wer einen Kindergarten besuchte, von seinen Eltern Aufmerksamkeit sowie Taschengeld bekam und nie ein Einzelgänger war, hat gute Chancen, später eine passable Führungskraft zu werden. Das ergibt eine Studie der Kommunikationswissenschafterin Doris Langenberger, die im Mai 143 Führungskräfte plus deren Mitarbeiter in österreichischen Top-Firmen mit Hilfe umfangreicher Fragebögen unter die Lupe nahm. Von der Geschwisterzahl und dem Erziehungsstil der Eltern bis zu Freizeitbeschäftigungen sammelte sie penible Details aus der Lebensgeschichte der Interviewten.

Langenberger filterte dabei auch heraus, was sich Mitarbeiter am meisten von ihren Chefs wünschen: Noch vor persönlicher Freiheit und Mitbestimmungsmöglichkeiten steht der freundliche und respektvolle Umgang der Führungskraft mit den „Untergebenen“. Die Studie zeigt übrigens, dass Chefs und Chefinnen einen desto freundlicheren Stil pflegen, je höher ihre Schulausbildung ist. Wer sich von weit unten hocharbeiten musste, ist offenbar zu sich und anderen härter.

Manager, die gerne Berge besteigen und auch sonst eher einzelgängerische Hobbys pflegen, haben ebenfalls auffällig oft muffigere Umgangsformen. Solche Führungskräfte kritisieren ihre Mitarbeiter häufiger in Gegenwart anderer, machen ihrem Ärger Luft und geben Anweisungen gerne im Befehlston.

Geschwisterreihe und Geschlecht haben keinen so großen Einfluss auf das Verhalten. Weibliche Führungskräfte bekritteln aber ihre Mitarbeiter etwas häufiger. Bei Chefinnen fällt vor allem auf, dass sie sich keine Familie leisten (können): Sie haben fast nie Kinder und sind sehr oft ledig. Führungskräfte, die Einzelkinder waren, informieren ihre Mitarbeiter seltener über Veränderungen in der Firma. Wer mit mehr als zwei Geschwistern aufwuchs, tendiert eher zum Laissez-faire-Stil.

Eindeutig positiven Effekt hat ein Taschengeld in der Kindheit: Wer eines bekommen hat, kann Mitarbeiter leichter zu mehr Selbständigkeit motivieren.

Auch der Kindergarten ist offenbar eine erste Schule für Toleranz und Teamgeist. Die Studie offenbart auch die Bedeutung des Erziehungsstils für das spätere Leben: Führungskräfte, die in der Kindheit von ihren Eltern für Leistungen besonders gelobt wurden, sind (nach Meinung ihrer Mitarbeiter) umgänglichere Chefs.

Wieder einmal belegt wurde, dass die Krankenstandshäufigkeit der Angestellten ein eindeutiger Indikator für Frust in der Firma ist.

Langenberger betrat ansonsten mit ihrer Studie Neuland. Ihre Ergebnisse zeigen, dass bei der Personalauswahl und -entwicklung viel mehr auf die individuelle Biographie Rücksicht genommen werden müsste. Jedem Mitarbeiter dasselbe Kommunikationsseminar in einem schönen Thermenhotel überzustülpen, bringe hingegen recht wenig, konstatiert die Forscherin, die selbst bei einer Personalentwicklungsfirma – der PEF Consulting – angestellt ist. Firmen müssten mehr vom „Mitarbeiter als Mensch“ ausgehen, meint sie. Und einem wortkargen Einzelkämpfer eventuell einen „Teamplayer“ zur Seite stellen.

Jedenfalls bleibt Stoff genug für weitere Arbeiten über Lebenslauf und Karriere. Langenberger hofft, dass sich Soziologen, Pädagogen, Psychologen und/oder Kommunikationswissenschafter ihres Themas annehmen.


Der Standard, vom 21.10.2000





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